Ich werde von meinem ohrenbetäubenden Wecker aufgeschreckt, während mein Mund sich anfühlt, als würde die Sahara höchstpersönlich dort hausen. Schnell taumele ich in die Küche und schütte mir mit wackeligen Händen ein Glas Wasser ein, wobei die Hälfte daneben geht. Während des Zähneputzens bleibt mein Handy stets bei mir und das endlose Scrollen nimmt nun richtig an Fahrt auf. In solchen Momenten bemerke ich, wie sicherlich auch viele andere, dass wir Stück für Stück im Luxus ertrinken und dennoch nichts dagegen tun können. Jeden Tag aufs neue versprechen wir uns, dass es heute anders sein wird und kurze Zeit später erwischen wir uns wieder, wie wir nur „eben kurz“ die Nachrichten checken müssen. Beim Frühstück geht das Elend noch weiter. Die überzuckerten Cornflakes werden in die Schüssel gegeben, bevor die Milch sich im hohen Bogen darüber ergießt. Noch vor gar nicht allzu langer Zeit war dies unvorstellbar. Jeder musste sich seine Mahlzeit verdienen, in dem er beim Pflücken der Trauben oder beim Kochen der Eier behilflich war. Genau hier schaltet sich das Belohnungssystem ein, wie die Wissenschaftsjournalistin Tanja Krämer berichtet. Das Gehirn möchte für die harte Arbeit entschädigt werden und sendet dafür verschiedenste Glücksstoffe aus, die uns ein Gefühl der Zufriedenheit geben. Allerdings fehlt uns dieses Gefühl im Alltag immer mehr. Oder wann habt ihr das letzte mal einen Hasen vor dem Mittagessen geschossen? Wir leben in so einem Überschwung an Luxus, das wir es selbst kaum war nehmen. Selbst der Adel im Mittelalter konnte von unserem Wohlstand nur träumen. Die Menschheit besitzt Heilung zu fast jeder Krankheit und wir müssen nur zum nächsten Supermarkt gehen, um uns den Bauch vollzuschlagen. Also warum sind wir so unglücklich? Die Antwort ist eigentlich ziemlich selbsterklärend. Wir gewöhnen uns zu schnell an die Dinge, die eigentlich nicht selbstverständlich sein sollten. Wann haben wir uns das letzte Mal so richtig gefreut, als wir unser Lieblingsgericht gegessen oder unseren wohlverdienten Schlaf genommen haben? Wenn man ehrlich ist, sorgt dies vielleicht kurz für einen Moment des Glücks, aber mehr auch nicht. Vor 100 Jahren hätte man dafür noch ein Vermögen bezahlt. Ich will hiermit nicht aussagen, dass wir sofort alle Sachen stehen und liegen lassen sollen, um als Einsiedler im Urwald zu leben. Jedoch appelliere ich alle dazu, einmal das Handy liegen zu lassen, vielleicht einen ruhigen Spaziergang im Wald zu machen und anzufangen, den Luxus wertzuschätzen, der keinesfalls selbstverständlich sein sollte.